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Waldbaden am 17.10.2021 – Freundeskreis Eichenzell

Foto: Ch. B. privat

„….Wir sind alle frohgelaunt nach Hause gefahren und waren uns alle einig, dass wir den nächsten Waldbesuch anders wahrnehmen und waren sehr angetan von deinen Infos und Anregungen.                                                           Vielen Dank und einen guten Start in die Woche.
Herzliche Grüße                                                                                                                 

Ch. und alle Frauen“

Im Walde möcht ich leben

Im Walde möcht‘ ich leben
Zur heissen Sommerzeit!
Der Wald, der kann uns geben
Viel Lust und Fröhlichkeit.
In seine kühlen Schatten
Winkt jeder Zweig und Ast;
Das Blümchen auf den Matten
Nickt mir: komm, lieber Gast!
Wie sich die Vögel schwingen
Im hellen Morgenglanz!
Und Hirsch‘ und Rehe springen
So lustig wie zum Tanz.
Von jedem Zweig und Reise
Hör nur, wie’s lieblich schallt!
Sie singen laut und leise:
Kommt, kommt in grünen Wald!

– Hoffmann von Fallersleben 1798-1874, Dichter und Hochschullehrer
für Germanistik –

Moos


 
Moos
  
Hast du schon jemals Moos gesehen?
nicht bloß
so im Vorübergehen,
so nebenbei von obenher,
so ungefähr –
nein, dicht vor Augen, hingekniet,
wie man sich eine Schrift besieht?
O Wunderschrift! O Zauberzeichen!
Da wächst ein Urwald ohnegleichen
und wuchert wild und wunderbar
im Tannendunkel Jahr für Jahr,
mit krausen Fransen, spitzen Hütchen,
mit silbernen Trompetentütchen,
mit wirren Zweigen, krummen Stöckchen,
mit Sammethärchen, Blütenglöckchen,
und wächst so klein und ungesehen –
ein Hümpel Moos.
Und riesengroß
die Bäume stehen …

 
Doch manchmal kommt es wohl auch vor,
dass sich ein Reh hierher verlor,
sich unter diese Zweige bückt,
ins Moos die spitzen Füße drückt,
und dass ein Has‘ vom Fuchs gehetzt,
dies Moos mit seinem Blute netzt …
Und schnaufend kriecht vielleicht hier auch
ein sammetweicher Igelbauch,
indes der Ameis‘ Karawanen
sich unentwegt durchs Dickicht bahnen.
Ein Wiesel pfeift – ein Sprung und Stoß –
und kalt und groß
gleitet die Schlange durch das Moos …
Wer weiß, was alles hier geschieht,
was nur das Moos im Dunkeln sieht:
Gier, Liebesbrunst und Meuchelmord –
kein Wort verrät das Moos.
Und riesengroß die Bäume stehen –
Hast du schon jemals Moos gesehen?

(Siegfried von Vegesack)

Es treibt der Wind…

Es treibt der Wind

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird.

Sie lauscht hinaus. Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin bereit
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke)

Frohe Weihnachten

Bäume im Herbst

Bäume im Herbst

Des Wanderers Schritte,
sie rascheln im Laub.
Die Wege verschwunden,
die Schuhe voll Staub.

Ein Teppich aus Blättern
bedeckt seinen Pfad –
der herbstliche Schnitter
hielt hier seine Mahd.

Die jüngsten der Bäume
voll Angst leise wispern.
„Wir müssen wohl sterben?“
erschrocken sie flüstern.

Ihr Haupt die Betagten
jedoch sachte wiegen:
„Oh, seid ohne Sorge,
der Tod wird nicht siegen.

Wir wollen das Laub nur
im Winter verstecken.
Die Sonne des Frühlings
wird es wieder wecken.“

Der Wanderer hört das
Gemurmel der Bäume,
es wird ihn begleiten
bis in seine Träume.

© Christa Kluge (*1941), Lehrerin in Ruhestand

Im Sommerwald

Im Sommerwald, wo sich die Blätter drücken,
Liegt Sonnenschein in kleinen Stücken,
Drinnen die Mücken schweben und rücken.
Ich muss mich unter die Stille bücken.
Vor den finstern Tannenlücken
Sah ich einen Schmetterling weiss wie einen Geist aufzücken.
Der Wald riecht nach Kien und ist heiss.
Vielleicht hat hier ein Herz gebrannt und nur der Wald davon weiss.

– Max Dauthendey 1867-1918, deutscher Dichter und Maler –

Die blauen Frühlingsaugen

veilchen.jpg

Die blauen Frühlingsaugen
schau‘n aus dem Gras hervor;
das sind die lieben Veilchen,
die ich zum Strauß erkor.

Ich pflücke sie und denke,
und die Gedanken all,
die mir im Herzen seufzen,
singe laut die Nachtigall.

Ja, was ich denke, singt sie
lautschmetternd, dass es schallt;
mein zärtliches Geheimnis
weiß schon der ganze Wald.

(Heinrich Heine, 1797-1856)